Omnibus Kocher & Lutz

Geschichte der Firma Kocher

Es begann im Jahre 1937

 Im Mai 1937 erwarb der 33-jährige Jakob Kocher und seine Frau Kähte den schon seit 1927 bestehenden "Omnibusverkehr Tübingen" mit Konzession zur alleinigen Durchführung des Stadtverkehrs Tübingen. Der Fuhrpark bestand aus fünf Fahrzeugen: ein "Hansa-Lloyd"-Bus, zwei "Brennabor"-Busse und zwei "Krupp"-Fahrgestelle, allesamt mit Benzinmotor – untergebracht in einer alten Holzgarage in Lustnau.

Unwegsamkeiten der ersten Monate

Kaum hatte der junge Busunternehmer Jakob Kocher sich selbständig gemacht, trafen ihn harte Schicksalsschläge, welche ihn beinahe ruiniert hätten. Nach zwei unverschuldeten Verkehrsunfällen vernichtete ein Brand in der Nacht zum Pfingstmontag, 17. Mai 1937, die Kraftwagenhalle und fünf Fahrzeuge, welche damals nicht gegen Feuer versichert waren. 25.000,- Reichsmark Schaden nur zwei Wochen nach der Betriebsgründung – ohne den ausgeprägten Willen zum Weitermachen und das Aufbieten aller Kräfte hätte dies das Aus für das Unternehmen bedeutet. Doch es ging weiter! Die Halle wurde unverzüglich wieder aufgebaut und später um einen Wohnteil mit Büro erweitert.

Die schweren Kriegsjahre

Der Kraftstoff wurde wie so vieles andere rationiert und die Buslinien wurden als "im öffentlichen Interesse liegend" immer wichtiger eingestuft und dazu ausersehen, Arbeiter zu ihren Betrieben zu bringen. Nach Beschlagnahme eines Busses im Herbst 1939 wurde die Firma beauftragt, eine neue Linie von Rottenburg – Herrenberg bis Tübingen und weiter nach Mähringen zu befahren. 1940 wurde der Nahverkehr noch mit vier Fahrzeugen durchgeführt. Die deutsche Wehrmacht beschlagnahmte 1943 zwei Fahrzeuge, so daß nur noch zwei Busse weiter zur Verfügung standen. Nach dem Einmarsch der französischen Streitkräfte 1945 wurden auch diese enteignet. Dies bedeutete wieder ein wirtschaftliches Aus, gleichzeitig aber auch das allseits ersehnte Kriegsende.

Die Nachkriegszeit

Bis zur Währungsreform 1948 waren Wohnung, Büro und vor allem auch die Garagen von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. Jakob Kocher wurde mit seinen Mitarbeitern von den Franzosen dienstverpflichtet und mußte deren LKW‘s und Panzer in seinen Garagen warten und reparieren.

Der 3. Neubeginn

Nach entbehrungsreichen Kriegsjahren strebte jeder nach einer neuen, besseren Zukunft. Auch im Hause Kocher begann man mit bescheidenen Mitteln, den Kraftverkehr wieder in Schwung zu bringen.

Die 50er Jahre im Zeichen des Wiederaufbaus

 Zu Beginn der 50er Jahre kam dann die neue Bus-Generation auf den Markt. Der schnell wachsende Bedarf, sowohl für die Stadtverkehrslinien als auch für den nun wieder erwachenden Reiseverkehr, verlangte nach neuen, komfortableren Fahrzeugen. Durch rasch ansteigende Fahrgastzahlen wurde ein großzügiger Ausbau des Fahrzeugbestandes notwendig. Beim Unternehmen Kocher waren 1953 vier Stadtverkehrsbusse, auf sieben Linien, im Einsatz. Im August 1953 wurde zwischen der Stadt Tübingen und den beiden Tübinger Firmen Kocher und Schnaith ein neuer Vertrag unterzeichnet durch den der Stadtverkehr auf eine neue Grundlage gestellt wurde. So waren ab sofort alle Fahrzeuge mit einer einheitlichen Außenlackierung (rot/gelb) unterwegs, ein Taktfahrplan wurde eingerichtet, das Umsteigen mit einer Fahrkarte war nun möglich und es konnten Monatskarten erworben werden. 1967 bereits elf Fahrzeuge. Der Fahrplan wurde immer dichter und man beschäftigte neun Mitarbeiter.

Schwungvolle Weiterentwicklung in den 70er Jahren

In den Jahren ab 1970 entwickelte sich die Firma Omnibus Kocher mittlerweile unter der Leitung der Brüder Siegfried und Manfred Kocher immer schneller. Dies war auch der Grund für die Umsiedlung in das Industriegebiet Unterer Wert. Der Neubau umfasste mehrere Abstellhallen, Werkstatt und Waschhalle sowie Büro und Wohnhaus. 1972 ging Jakob Kocher in den Ruhestand. Der Reiseverkehr gewann mehr und mehr an Bedeutung. Man fuhr Reisegruppen aller Art, z.B. Vereine, Betriebe, Altenclubs, Schulen, Universitätsinstitute zu unzähligen Zielen im In- und Ausland. Eine weitere Abstellhalle für Busse, um im Winter die Fahrzeuge vorgewärmt zum Einsatz bringen zu können, wurde errichtet.


Mit dem TÜ-Bus in die 80er

Im Jahre 1985/86 entschloß man sich zu einer weiteren Ausbaustufe der  Bushallen. Nach Abschluß der Baulichkeiten konnten rund 25 Fahrzeuge in den Hallen untergebracht werden. Eine weitere Neuerung war 1986 die Einführung der Umweltkarte in Form verbilligter, übertragbarer Monatskarten. 1987 wurde das 50-jährige Firmenjubiläum mit einem großen Fest in den Bushallen gefeiert.


Ohne Langeweile in das neue Jahrtausend

Dichtere Taktzeiten, neue Linien, Einführung des Semestertickets und vieles mehr förderten die Erfolgsstory des Tübinger Stadtverkehrs. Aufgrund der in großem Maße ansteigenden Fahrgastzahlen mußten jährlich neue Fahrzeuge angeschafft werden. Dies wiederum führte zu Engpässen auf dem Betriebshof, so daß die Firma Kocher im Jahre 1993 ein weiteres Mal den Betriebshof vergrößerte. Insgesamt können nun ca. 20 Solobusse und 10 Gelenkbusse in den Hallen abgestellt werden. 1995 wurde der Tübinger Stadtverkehr aus der städtischen Regie entlassen und eine Stadtverkehr Tübingen GmbH (SVT) gegründet. Gesellschafter an dieser GmbH sind mit jeweils 12 % die Firmen Kocher und Schnaith und mit 76 % die Stadtwerke Tübingen GmbH. Im Mai 1998 ging Siegfried Kocher in den Ruhestand. Sein Sohn Stephan Kocher übernahm die Geschäftsleitung. Im Januar 1999 trat auch Jan Kocher in die Geschäftsleitung ein. Fortan führten die beiden Söhne Siegfried Kochers die Geschäfte, unterstützt von ihrem Onkel Manfred Kocher.

Omnibus Lutz – der neue Partner in Reutlingen

Zum 01.01.1999 wurde der Omnibusbetrieb der Firma Lutz aus Reutlingen-Mittelstadt übernommen. Der Fuhrpark bestand damals aus 12 Fahrzeugen. Diese sind sowohl auf Reisen in ganz Europa unterwegs, aber auch auf der eigenen ÖPNV-Linie 203 zwischen Mittelstadt und Metzingen sowie für den Reutlinger Stadtverkehr (RSV). Die Fuhrparkgröße ebenso wie auch die unglückliche Lage des bisherigen Betriebshofes im Wohngebiet von Mittelstadt hat Omnibus Lutz dazu bewogen, ins Gewerbegebiet von Mittelstadt umzusiedeln. Am 01.01.2002 konnten die Büro- und Sozialräume bezogen und 11 Fahrzeuge in den Hallen abgestellt werden.
Die offizielle Einweihung des neuen Betriebshofes erfolgte durch die 3. Generation, Stephan und Jan Kocher, im Rahmen eines "Tages der offenen Tore" am 20.10.2002.



Omnibus Kocher I Lutz wächst weiter

Bereits im Dezember 2000 wurden Teile der Gönninger Omnibusfirma Ewald Staiger übernommen, im einzelnen waren dies die Linie 111 von Gönningen über Gomaringen nach Reutlingen und der Reiseverkehr. Hierzu zählen vor allem die Tagesreisen nach München und Zürich, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. 2003 ging Manfred Kocher in den Ruhestand.
Zum 01. Januar 2004 wurde das Pfullinger Omnibusunternehmen Albert Schmälzle übernommen. Erfreulicherweise konnten alle Arbeitsplätze erhalten werden.

70 Jahre Omnibus Kocher - Grund zum Feiern und Danke zu sagen.

Im Jahr 1937 gründete Jakob Kocher gemeinsam mit seiner Frau Käthe den Betrieb Omnibus Kocher in Lustnau. Mit einem Ausflug zur Blumeninsel Mainau am 22. Juli 2007 bedankt sich die Familie Kocher bei allen Mitarbeitern und deren Familien für ihren unermüdlichen Einsatz im Sinne des Unternehmens.

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